How capzlog.aero built a regulatory moat into a CHF 13.9M global opportunity
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When an industry sits on outdated infrastructure, the first mover to modernize it defines the standard. capzlog.aero, a digital logbook platform for pilots, recognized this opportunity within aviation's data silos and moved decisively to capture it. By combining regulatory expertise, deep aviation knowledge, and clean SaaS unit economics across three reinforcing revenue streams, the company has already captured 20% of Switzerland's pilot market and secured CHF 600k from five business angels. Philippe Müller, CEO and co-founder, walks through how a pilot-CTO and ETH computer science lecturer closed the execution gaps that typically derail aviation software—and why the timing to scale internationally is now.
OOMNIUM: Die Luftfahrtindustrie steht bis 2040 vor einem Mangel an 700'000 Piloten, doch Daten liegen nach wie vor in Silos. Warum ist aus Sicht des Markt-Timings genau jetzt der kritische Wendepunkt für diese Lösung?
Philippe Müller: Der Globale Süden und der Asien-Pazifik-Raum skalieren die kommerzielle Luftfahrt schneller, als es Europa je getan hat, und die Branche wächst weltweit stark. Gerade weil Sicherheit in der Luftfahrt oberste Priorität hat, passen sich Regulierungen nur langsam an neue technologische Entwicklungen an. Die Folge: Die meisten Piloten führen ihre Flugerfahrung auch heute noch in traditionellen Papier-Logbüchern.
Wer dieses Datenfundament zuerst baut, definiert den Standard, und genau das tun wir.
Doch im Moment verschiebt sich das Gleichgewicht. Die Branche gerät unter zunehmenden Kostendruck, sucht nach Effizienzgewinnen und erhöht damit auch den Druck auf die Regulierungsbehörden. Die aktuellen Ölpreise verstärken dies und zeigen, wie dünn die Margen sind. Wir sind ideal positioniert, um von diesem Wendepunkt zu profitieren: Wir verfügen über mehrjährige Markterfahrung, eine rechtlich solide und praxiserprobte Plattform und wir erzeugen strukturierte, qualitativ hochwertige Daten, die es in der Branche heute so einfach noch nicht gibt.
Und diese Daten werden von Jahr zu Jahr wertvoller. Sie bilden das Fundament für Prozesse, für die heute die Datengrundlage fehlt: Pilot-Operator-Matching, Flug- und Dienstzeitberichte, Versicherungs- und Erfahrungsnachweise. Wer dieses Datenfundament zuerst baut, definiert den Standard, und genau das tun wir.
OOMNIUM: Ihr Gründerteam bringt eine einzigartige Mischung mit: einen Piloten-CTO mit Fintech-Erfahrung und einen ETH-Informatik-Dozenten. Wie minimiert diese Teamzusammensetzung aus Sicht eines Investors das Umsetzungsrisiko, und was haben Sie bisher als Proof of Concept bewiesen?
P.M.: Luftfahrtsoftware scheitert in der Regel an einem von zwei Gründen: Entweder verstehen die Gründer die Luftfahrtbranche, können aber nichts Brauchbares bauen, oder sie bauen hervorragende Software, verstehen aber die Branche nicht. Wir haben beide Lücken geschlossen.
Mein Mitgründer Vladimir hat Informatik studiert und kam erst relativ spät zur Luftfahrt: zuerst als Privatpilot, dann als Berufspilot und heute als Linienpilot bei Helvetic Airways. Er hat das Problem, das wir lösen, aus erster Hand erlebt, und das ist die ideale Grundlage für ein Produkt, das Piloten in ihrer täglichen Arbeit wirklich unterstützt.
Ich selbst bringe einen technischen Hintergrund der ETH mit, kombiniert mit einem starken Interesse an Menschen. Genau an der Schnittstelle von technischer Machbarkeit und menschlichen Bedürfnissen scheitern viele Produkte, besonders wenn der Druck von aussen zunimmt. Genau da liegt meine Stärke: beide Welten zu verbinden und das Team auf Kurs zu halten.
Mit unserem Lead-Investor Christian Novosel, der auch künftiger Verwaltungsrat wird, haben wir zudem eine erfahrene Führungskraft einer Fluggesellschaft an Bord, die Türen zu den grossen Kunden öffnet. Dass wir frühzeitig in professionelle Strukturen investiert haben, mit einer sauberen Corporate Governance, einem starken Verwaltungsrat und erfahrenen Beratern, wird sich in der kommenden Wachstumsphase als entscheidend erweisen.
OOMNIUM: Sie zielen auf drei verschiedene Einnahmequellen ab: B2C-Abonnements, B2B-Operator-Partnerschaften und eine Recruiting-Plattform. Wie sehen die Unit Economics für jede Stufe aus, und welche Einnahmequelle stellt die margenstärkste Chance für Investorenrenditen dar?
P.M.: B2C: Das digitale Logbuch. Das Logbuch bildet das Fundament unseres Geschäftsmodells und wird uns in die Profitabilität tragen. Als SaaS-Plattform kann es zu geringen Kosten mit hohen Bruttomargen betrieben werden. Günstige Einstiegsabonnements, die durch Werbung querfinanziert werden, führen zu einem durchschnittlichen ARPA von CHF 150.
B2B: Automatisierung für Operator und Fluggesellschaften. Die hochwertigen Daten aus dem Logbuch bilden die Basis für die Automatisierung und Rationalisierung von Geschäftsprozessen bei Fluggesellschaften. Da vom kleinen Operator bis zur grossen Airline alle vor den gleichen Herausforderungen stehen, können wir das gesamte Kundenspektrum abdecken. Bei einer grossen Fluggesellschaft ist ein Jahresvertrag von CHF 150'000 absolut realistisch; der durchschnittliche ARPA von CHF 14'000 spiegelt zudem die grosse Zahl kleinerer Operator wider.
Job Matching: Unser stärkster Umsatztreiber. Die eigentliche Eleganz liegt im Datenfundament. Unsere zahlenden B2C-Nutzer halten den Datensatz selbst aktuell und können ihre eigenen Daten zu ihrem Vorteil nutzen. Künftig kann ein Pilot beispielsweise angeben, ob er – anonym oder offen – über Stellenangebote informiert werden möchte, die perfekt zu seinem Profil passen.
Während bestehende Stellenplattformen nur jene Piloten kennen, die aktiv suchen, greifen wir auf einen kontinuierlich aktualisierten, qualitativ hochwertigen Pool verifizierter Profile zu. Unter Berücksichtigung des Datenschutzes und individueller Präferenzen können wir eine Matching-Qualität liefern, die es auf dem Markt so noch nicht gibt.
Wir positionieren unser Angebot für Operator bei CHF 9'000 pro Vermittlung, mit hervorragenden SaaS-Margen. Bei 500 Vermittlungen pro Jahr bis 2030 entspricht dies einem ARR von CHF 4.5 Mio., der fast vollständig in das EBITDA fliesst.
Der entscheidende Punkt: Job Matching funktioniert nur, weil B2C und B2B es gemeinsam speisen. Die drei Einnahmequellen verstärken sich gegenseitig.
OOMNIUM: Nachdem Sie sich bereits CHF 600'000 von fünf Business Angels gesichert haben und noch CHF 400'000 aufzunehmen sind, wie werden Sie dieses Kapital von CHF 1 Mio. einsetzen? Und was sind Ihre wichtigsten Leistungskennzahlen für diese Runde?
P.M.: Der Grossteil fliesst in Produkt und Engineering für Phase 1: die Skalierung der Logbuch-Plattform mit «capzlog.aero 2.0», einschliesslich professioneller UI/UX, ersten Pilot-to-Operator-Recruiting-Funktionen wie CV-Exporten, erweiterten Flugdatenvisualisierungen, dem Flugschulprogramm und einer Recommendation Engine, die exponentielles Wachstum freisetzt. Ein bedeutender Teil fliesst in den Vertrieb und den Aufbau von Partnerschaften, um bestehende Beziehungen zu Schweizer Operatoren in unterzeichnete B2B-Verträge umzuwandeln und die europäische Expansion zu starten. Der Rest sichert den Runway, um die Meilensteine der Phase 2 zu erreichen: die Vereinfachung komplexer Prozesse bei Flugschulen und Operatoren, damit diese den Weg auf unsere B2B-Plattform finden.
OOMNIUM: Heute haben Sie über 2'000 zahlende Nutzer und 20 % Marktanteil in der Schweiz. Erklären Sie uns Ihren Weg zur Profitabilität und TAM-Expansion – wie sieht Ihre realistische Umsatzprognose bis 2030 aus, und wie verhält sich diese zu Ihrer TAM-Schätzung von CHF 1.083 Mrd.?
P.M.: Unser Base Case für 2030 liegt bei CHF 5.3 Mio. ARR. Er ergibt sich aus 20'000 B2C-Piloten zu CHF 150, 100 B2B-Operatoren zu CHF 14'000 und 100 Vermittlungen zu je CHF 9'000. Wir erreichen den Break-even im Jahr 2029 und einen Reingewinn von über CHF 2.5 Mio. im Jahr 2030. Das Upside-Szenario, sollten sich einzelne externe Faktoren schneller entwickeln, liegt bei CHF 13.9 Mio. ARR, getrieben durch 40'000 B2C-Nutzer, 250 Operatoren und 500 Vermittlungen.
Zum TAM: Die CHF 1.083 Mrd. bezeichnen den gesamten adressierbaren Markt, nicht das, was wir erobern werden. Selbst unser Upside-Szenario von CHF 13.9 Mio. entspricht nur rund 1.3 % des TAM. Das ist bewusst konservativ: Wir generieren auch unter verhaltenen Annahmen substanzielle Umsätze.
Der Weg ist klar vorgezeichnet: Die Schweiz diente mit 20 % Marktanteil als Proof Point, Phase 1 und 2 vertiefen diese Basis und starten die europäische Expansion, Phase 3 bringt 2028 das B2B-Recruiting live und Phase 4 skaliert von 2029 bis 2030 global. Jede Phase fügt der bestehenden Basis eine zusätzliche Einnahmequelle hinzu und sorgt dafür, dass sich die Kurve eher steilt als abflacht.
OOMNIUM: Sie haben die EASA FCL.050-Zertifizierung erhalten – den weltweit strengsten Standard für Pilotenaufzeichnungen. Wie haben Sie den regulatorischen Weg gemeistert, und was bedeutet diese Zertifizierung als Wettbewerbsvorteil und Markteintrittsbarriere für Investoren, die capzlog.aero bewerten?
P.M.: FCL.050 ist die europäische Verordnung, die definiert, wie Piloten ihre Flugzeit dokumentieren müssen. Es ist der weltweit strengste Standard für Pilotenaufzeichnungen. Wir sind das erste und einzige digitale Logbuch, das von der Luftfahrtbehörde eines EASA-Mitgliedstaates offiziell nach diesem Standard geprüft und zertifiziert wurde.
Compliance wird bei uns nicht nachträglich aufgepfropft, sondern ist im Herzen der Software integriert: Auf jeder Ebene der Datensätze und zu jedem Zeitpunkt sind die gesetzlichen Anforderungen erfüllt. Diese Architektur und das branchenweit beste Datenmodell bilden die Basis für eine echte Digitalisierung, anstatt lediglich bestehende Papierformulare als Webformulare abzubilden.
Wir sind der Taktgeber im Bereich der Regulierung von persönlichen Logbüchern.
Wir sind der Taktgeber im Bereich der Regulierung von persönlichen Logbüchern. Wir verschieben die Grenzen und arbeiten aktiv mit Luftfahrtbehörden und Pilotenorganisationen zusammen, um Anforderungen für Piloten, Operator und Behörden sinnvoll zu entwickeln und auf digitale Workflows auszurichten.
Für Investoren bedeutet das vor allem: Wir sind allen Konkurrenten einen entscheidenden Schritt voraus. Piloten-Expertise, Markenvertrauen und regulatorischer Vorsprung schützen uns vor Nachahmern. Vom Goldstandard aus können wir zudem weitaus einfacher in weniger strenge regulatorische Rahmenbedingungen wechseln, als es unsere globalen Konkurrenten jemals umgekehrt tun könnten.
OOMNIUM: Welche spezifischen Investorenrenditen können Sie prognostizieren? Wie schlägt sich die Umsatzentwicklung von capzlog.aero in Shareholder Value nieder, und welche Meilensteine werden die bedeutendste Wertschöpfung für Ihre heutigen und künftigen Investoren freisetzen?
P.M.: Ich bin kein Finanzberater, aber die Pre-Money-Bewertung liegt bei CHF 3.9 Mio. Unser Base Case für 2030 prognostiziert CHF 5.3 Mio. ARR mit einem Reingewinn von über CHF 2.5 Mio. ab 2030. Reguliertes vertikales SaaS mit einem vertretbaren Burggraben und profitablem Wachstum wird typischerweise mit dem 6- bis 12-Fachen des ARR gehandelt, und strategische Käufer zahlen oft mehr.
Drei Meilensteine treiben den Wert: Erstens das Go-live des B2B-Recruitings im Jahr 2028, das den Umsatzmix von linearem SaaS auf ein Marktplatzmodell verschiebt und damit grundlegend andere Multiples freisetzt. Zweitens der Break-even im Jahr 2029, was genau das Profil ist, für das strategische Käufer Prämien zahlen. Drittens der erste internationale Markteintritt, der die globale Tragfähigkeit unseres Ansatzes beweist.
Wir bauen capzlog.aero zur Standardinfrastruktur für Pilotenaufzeichnungen aus. Ob dies in einer Übernahme, einer Wachstumsrunde oder dem Weiterführen als eigenständiges Unternehmen mündet, wird der Markt entscheiden. Was ich zusage: Jeder Meilenstein bis 2030 ist darauf ausgelegt, unsere Optionen zu erweitern, nicht sie einzuschränken.
